Karwoche und Ostern

31. März 2021

Die Karwoche bildet den Höhepunkt der Fastenzeit und mündet ins Osterfest, das höchste Fest der Kirche. Doch was wird an den einzelnen Tagen genau gefeiert und wie sehen die Gottesdienste aus?

 

Palmsonntag

Der Palmsonntag ist der sechste und letzte Sonntag der Fastenzeit und der Sonntag vor Ostern. An diesem Tag beginnt die sogenannte Karwoche; „kara“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer“ oder „Klage“. Die Kirche erinnert am Palmsonntag an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem: Christus ritt auf einem Esel in Jerusalem ein und das Volk huldigte ihm mit Palmwedeln und dem Ruf „Hosanna dem Sohn Davids!“ als Messias (Mt 21,1-11). Aus diesem Grund treffen sich die Gläubigen am Palmsonntag traditionell vor der Kirche, wo Palmzweige geweiht werden; es können aber auch Oliven- oder – wie in Deutschland üblich – Buchsbaumzweige sein. Anschließend ziehen sie in einer Prozession ins Gotteshaus. In der Messe wird erstmals in der Karwoche die Botschaft vom Leiden und Sterben Jesu verkündet, die sogenannte Passionsgeschichte (Mt 26, 14-27,66).

 

Gründonnerstag

Die liturgische Bezeichnung für den Donnerstag der Karwoche lautet (Feria quinta in Coena Domini- Fünfter Tag beim Abendmahl des Herrn). Die Herkunft des deutschen Namens „Gründonnerstag“ ist nicht restlos geklärt. Möglicherweise leitet sich das Grün– vom mittelhochdeutschen Wort „greinen“ ab, was sich mit „weinen“ übersetzen lässt. Am Abend des Gründonnerstags geht es in die heiße Phase: Mit der Messe vom letzten Abendmahl beginnt das sogenannte „Triduum Sacrum(die heiligen drei Tage). Gemeint sind die liturgischen Feiern einschließlich der Osternacht, die wie ein einziges großes Hochfest gefeiert werden. Am Beginn steht das Gedächtnis des letzten Abendmahls, das Christus mit seinen Jüngern hielt – und damit das Eucharistiesakrament einsetzte.  Wie die Heilige Schrift berichtet, hielt Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung mit den zwölf Aposteln das rituelle Paschamahl; mit dem Paschafest gedenkt das jüdische Volk seiner Befreiung aus Ägypten und des Durchzugs durch das Rote Meer. Bei diesem Mahl brach und reichte Christus den Jüngern Brot, das er als seinen Leib bezeichnete. Ebenso gab er ihnen einen Kelch mit Wein, den er als sein Blut deutete. Der Auftrag lautete: Tut dies zu meinem Gedächtnis (1 Kor 11,24f). Mit dieser Handlung stiftete Jesus das gemeinsame Mahl als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart und eines neuen Bundes mit Gott. Die Eucharistiefeier wurde somit zur zentralen liturgischen Feier der Kirche, in der sie des Todes und der Auferstehung Jesu gedenkt und sein Opfer vergegenwärtigt. Da die Feier der Eucharistie spezifischer Dienst des geweihten Priesters ist, gilt der Gründonnerstag zugleich auch als Tag der Einsetzung des Priestertums. In der Abendmesse verstummen wegen der bevorstehenden Passion Jesu nach dem Gloria Orgel und Glocken. Nach der Predigt erfolgt die Fußwaschung von zwölf ausgesuchten Laien durch den Priester. Diese Handlung erinnert daran, wie Jesus am Vorabend seines Kreuzestodes den Jüngern als Zeichen unbedingter Dienstbereitschaft am Nächsten die Füße gewaschen hat (Joh 13,1-17). Nach der Messfeier werden Altartuch und Kerzen aus dem Altarraum entfernt. Das Allerheiligste wird an einen anderen Ort, meist eine Seitenkapelle, übertragen. Die Tabernakel bleiben leer, das Ewige Licht wird gelöscht. Es schließen sich Betstunden oder stilles Gebet an, in dem die Gläubigen des Geschehens am Ölberg gedenken, das mit der Gefangennahme Jesu endete.

 

 

Karfreitag

Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung Jesu. Wie der Aschermittwoch am Beginn der Fastenzeit ist auch der Freitag vor Ostern ein sogenannter strenger Fast- und Abstinenztag. Er wird als Zeichen der Trauer in Stille und Besinnlichkeit begangen. In Deutschland ist der Karfreitag zudem per Gesetz ein „stiller Tag“ bzw. stiller Feiertag, sodass für ihn besondere Einschränkungen wie etwa ein Tanzverbot gelten, was in der Gesellschaft immer wieder diskutiert wird. Im Gedenken an den Leidensweg Jesu gehen am Vormittag viele Gläubige den Kreuzweg (altes Gotteslob Nr. 775): Dieser führt in traditionell 14 Stationen von der Verurteilung Jesu bis zur Kreuzigungsstätte Golgota und der Grablegung Christi. In Anlehnung an die Via Dolorosa (Weg des Schmerzes) in Jerusalem wurden seit dem Mittelalter an vielen Wegen sowie um und in Kirchen Kreuzwege errichtet. Die Gläubigen schreiten die einzelnen Stationen – die sich erzählerisch nicht alle auf die Heilige Schrift stützen können – in meditativem Gebet ab.

Am Nachmittag folgt  die Karfreitagsliturgie als Feier vom Leiden und Sterben Jesu. Dieser Gottesdienst beginnt gegen 15 Uhr, die Todesstunde Jesu. Die Liturgie ist dabei in vier Teile aufgefächert: Zunächst folgt der Wortgottesdienst, bei dem wir die Passionsgeschichte (Joh 18, 1-19,42) hören. Im Anschluss werden die sogenannten „Großen Fürbitten“ verlesen: In mehreren Bitten wird dabei für die ganze Kirche, die christlichen Konfessionen, nicht-christlichen Religionen, Atheisten sowie für die gesamte Welt gebetet. Charakteristisch dabei ist die Aufforderung an die Gläubigen: „Beuget die Knie … Erhebet euch!“. Es folgt die Kreuzverehrung: Ein mit einem violetten Fastentuch bedecktes Kreuz wird enthüllt und durch Kniebeugen der Gläubigen verehrt. „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen“, ruft der Priester. Die Gläubigen antworten: „Kommt, lasset uns anbeten!“ Die Karfreitagsliturgie schließt mit der Kommunionfeier.

Auch abseits der Liturgie ist der Karfreitag im Alltag der Gläubigen ein anderer Tag als die anderen. Es handelt sich um nur einen von zwei „gebotenen Fast- und Abstinenztagen“ neben Aschermittwoch. Das bedeutet, dass man nur eine sättigende Mahlzeit zu sich nimmt und daneben nur zwei kleine Stärkungen (Fasttag) und keine Fleischspeisen dabei sein sollen (Abstinenztag). Als äußeres Zeichen der Buße und Besinnung sollen die Gläubigen an diesem Tag darüber hinaus Verzicht auf persönliche Annehmlichkeiten üben. Das führt dazu, dass vielerorts einfache Speisen wie Kartoffeln mit Spinat und Ei – eventuell auch Heringe oder andere Fischarten auf den Tisch kommen. Viele Gläubige verzichten bewusst auf Zerstreuung und Unterhaltung und schalten etwa den Fernseher oder das Radio nicht ein – außer zum Kreuzweg des Papstes in Rom oder um einen Film über die Passion Christi zu sehen.

Jesus Christus, erst umjubelt und dann fallen gelassen,
erst stürmisch gefeiert und dann verstoßen,
erniedrigt und mit Dornen gekrönt,
bist du deinen Weg gegangen, bis zum Tod am Kreuz.
Wir erkennen den Weg der Liebe
die schwierige Wege nicht scheut,
die dem Leiden nicht ausweicht,
die selbst den Tod auf sich nimmt,
damit Leben möglich wird.
Dafür danken wir dir und preisen deinen Namen in Ewigkeit.

 

Um 19 Uhr Andacht „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ (Gotteslob Nr. 702)

 

 

 

Karsamstag

Der Karsamstag ist der letzte Tag der Karwoche sowie der vorösterlichen Fastenzeit. An ihm gedenken die Christen der Grabesruhe Jesu und erwarten mit Fasten und Gebet seine Auferstehung. Am Karsamstag finden prinzipiell keine liturgischen Feiern statt, vor allem keine Eucharistiefeiern, die Kommunion wird lediglich Sterbenden als Wegzehrung gereicht. Der Karsamstag endet mit dem Beginn der Feier der Osternacht.

Osternacht

Die Feier der Osternacht ist der Höhepunkt des Triduum Sacrum und gilt im Kirchenjahr als „Nacht der Nächte“. Es handelt sich um eine Vigilfeier (Nachtwache), in der die Kirche die Auferstehung Jesu erwartet und anschließend feiert. Die Messe beginnt deshalb im Zeitraum nach Sonnenuntergang am Karsamstag und vor Sonnenaufgang am Ostersonntag. Am Anfang der Liturgie steht die Lichtfeier, die vor der Kirche im Freien beginnt. Dort segnet der Priester das Osterfeuer und entzündet daran die Osterkerze. In einer Prozession wird die Kerze dann in die dunkle Kirche getragen, unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi – Deo gratias“ („Licht Christi – Dank sei Gott“). Das Licht der Osterkerze wird dann an alle Mitfeiernden weitergegeben. Es folgt das gesungene Osterlob, das Exsultet. Es schließen sich bis zu sieben Lesungen aus dem Alten Testament an. Hiernach erklingt das Gloria: Ab diesem Zeitpunkt spielt die Orgel wieder, die Glocken läuten und das Licht der Kirche wird angeschaltet – freudige Zeichen der Auferstehung Jesu. Es folgen die neutestamentlichen Lesungen. Vor dem Evangelium erklingt erstmals seit Aschermittwoch wieder das „Halleluja“. Nach der Predigt findet die Tauffeier statt. Zunächst wird die Allerheiligenlitanei gesungen und das neue Taufwasser gesegnet. Danach erneuern alle Gläubigen ihr Taufversprechen und werden mit dem geweihten Wasser besprengt. Es folgt die Eucharistie-feier als abschließender Teil der Osternacht.

Ostersonntag

Der Ostersonntag ist der Tag der Auferstehung Jesu Christi und der ranghöchste Festtag im Kirchenjahr. Mit der– Osternacht – beginnt das Osterfest und die 50-tägige Osterzeit bis Pfingsten. Die meisten beweglichen Gedenk- und Feiertage des Kirchenjahres hängen vom Datum des Ostersonntags ab: Er fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Damit ist der frühestmögliche Termin der 22. März, der spätestmögliche der 25. April. Das Evangelium vom Ostersonntag berichtet von der Entdeckung des leeren Grabes und der Begegnung Maria von Magdalas mit dem auferstandenen Christus (Joh 20,1-18).

 

 Bei all dem was unser Herr Jesus Christus für uns erduldet hat, können wir nur dankbaren Herzens beten:

Allmächtiger gütiger Gott und Vater!
Durch die Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus hast du dem Tod die Macht genommen und sagst an allen Enden der Welt das Leben an.
Dafür danken wir dir und bitten wir dich:
Mach uns bereit diese Botschaft mit offenen Ohren zu hören, nimm allen Kleinglauben und allen Zweifel von uns, lass uns einstimmen in das Osterlob deiner Zeugen: Christus ist erstanden. Auf ihn hoffen wir in Zeit und Ewigkeit. Amen

 

  

Ostermontag

Der Ostermontag ist der zweite Osterfeiertag und hat in der Liturgie den Rang eines Hochfestes. Das gilt übrigens auch für die weiteren Tage der sogenannten Osteroktav – also die acht Tage von Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist der Ostermontag ein arbeitsfreier Tag. Im Tagesevangelium wird die Auferstehung Jesu aus dem Blickwinkel der sogenannten Emmausjünger erzählt (Lk 24,13-35). Sie erkennen den Auferstandenen erst, nachdem er ihnen die Schrift gedeutet und das Brot für sie gebrochen hat: Das ist der Grundstein für die bis heute gültige Zweiteilung der Messe in Wortgottesdienst und Eucharistiefeier.

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